Welt-Autismus-Tag

Heute ist Welt-Autismus-Tag und die Zahl der Autismus-Diagnosen steigt, nicht weil es ein Trend ist, sondern weil mehr Informationen verfügbar sind und es so ganz langsam in der Forschung durchsickert, dass Autismus ein Spektrum ist und sich nicht stereotyp repräsentiert.

ABER wir dürfen nicht vergessen: 

Autismus ist immer noch stark unterdiagnostiziert und gerade marginalisierte Gruppen fallen immer noch durchs Raster. Die Zustände in der Diagnostik sind größtenteils immer noch … nunja… nicht gut… Der ADOS, der v.a. AFAB (Assigned Female at Birth) mit ADHS benachteiligt, gilt immer noch als Goldstandard. Es wird weiterhin Gatekeeping bei Diagnosen betrieben. 

Es werden weiterhin Diagnosen verwehrt, wenn Diagnostiker⋅innen Masking nicht erkennen, man (von außen gelesen) in der Lage sei, Blickkontakt zu halten oder ein Gespräch aufrechtzuerhalten. Aktuelle Erkenntnisse sind noch lange nicht in jeder Diagnostik angekommen. Es gibt immer noch keine Forschung zu ADHS-Autismus. Etc. pp. Bis zu 80 Prozent der Personen, die eine offizielle Autismus-Diagnostik aufsuchen, bekommen keine Diagnose.
Die Hoffnung, dass sich die Zustände grundlegend ändern, wird m.E. erst aufgehen, wenn sich das ableistische/patriarchale/rassistische/kapitalistische System, in dem wir leben, ändern wird.

Heute feiere ich deshalb die Menschen, die es ermöglichen, dass sich Autist⋅innen als autistisch erkennen, die bewirken, dass sich Personen auf die Suche begeben, zu recherchieren beginnen und den anstrengenden Prozess der Selbstdiagnose auf sich nehmen. Die Autist⋅innen, die Ausschnitte aus ihrem (Er-)Leben zeigen, die Autismus durch ihre Innensicht zugänglich machen – denn machen wir uns nichts vor: Sich in den defizitorientierten, neurotypisch-formulierten, stereotyp-geprägten bisher vorhandenen Informationen als Autist⋅in überhaupt zu erkennen, ist beinah ein Ding der Unmöglichkeit. Ich feiere diese Community und danke allen, die Einblicke in ihr Leben geben und un/ermüdlich Aufklärungsarbeit leisten.